Ein Wartungsplan legt fest, welche Wartungsarbeiten an einem Betriebsmittel wann, in welchem Umfang und unter welchen Rahmenbedingungen durchgeführt werden sollen. Der Wartungsplan schafft damit eine strukturierte Grundlage für die planmäßige Wartung von Maschinen, Anlagen, Gebäuden, Fahrzeugen und anderen materiellen Vermögenswerten eines Unternehmens.
Innerhalb der Instandhaltung, die neben der Wartung auch Inspektion und Instandsetzung umfasst, konzentriert sich der Wartungsplan auf sämtliche zu planenden Wartungsmaßnahmen, deren operative Durchführung sowie Dokumentation. Er beschreibt beispielsweise, wann von wem Schmierstoffe gewechselt, Filter gereinigt, Verschleißteile kontrolliert oder bestimmte Komponenten regelmäßig gewartet werden müssen.
Ein gut aufgebauter und strukturierter Wartungsplan unterstützt sechs Ziele:
Die regelmäßige Wartung trägt dazu bei, Verschleiß und Probleme frühzeitig zu erkennen und bestmöglich zu beheben. Dadurch lassen sich ungeplante Ausfälle vermeiden oder zumindest besser planbar machen. Ein Wartungsplan kann ungeplante Störungen nicht vollständig verhindern, er sorgt aber dafür, dass bekannte und planbare Wartungsaufgaben nicht selbst zum Auslöser vermeidbarer Störungen werden. Das ist besonders relevant für kritische Anlagen, deren Ausfall unmittelbar die Produktion oder andere betriebliche Abläufe beeinträchtigt.
Wartung ist eine Investition in Verfügbarkeit und Betriebssicherheit. Notwendige Ressourcen wie Arbeitszeit, Ersatzteile, Verbrauchsmaterialien und externe Dienstleister müssen dafür eingeplant werden. Ein Wartungsplan macht frühzeitig sichtbar:
Dadurch wird Wartung von einer überwiegend reaktiven Tätigkeit zu einer planbaren Aufgabe der Instandhaltung und führt dazu, dass auftretende Kosten frühzeitig sichtbar und kalkulierbar werden.
Verschleiß ist bei vielen Betriebsmitteln unvermeidbar. Durch regelmäßige Wartung können Verschleißerscheinungen jedoch frühzeitig erkannt und geeignete Maßnahmen ab- und eingeleitet werden. Ein Wartungsplan hilft dabei, solche wiederkehrenden Maßnahmen nicht vom individuellen Erinnerungsvermögen einzelner Mitarbeiter abhängig zu machen. Gleichzeitig entsteht über die dokumentierten Wartungen eine Historie, aus der sich langfristig Erkenntnisse über den Zustand und das Verhalten eines Betriebsmittels ableiten lassen.
Wartung ist nicht nur eine Frage von Verfügbarkeit und Kosten. Sie steht auch im Zusammenhang mit der sicheren Verwendung von Arbeitsmitteln. Die Betriebssicherheitsverordnung definiert Instandhaltung als „… die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Erhaltung des sicheren Zustands oder der Rückführung in diesen.“ und nennt Inspektion, Wartung und Instandsetzung ausdrücklich als Bestandteile der Instandhaltung.
Ein Wartungsplan kann neben den geplanten Wartungsarbeiten auch Prüffristen und erforderliche Prüfaufgaben organisatorisch abbilden. Während Wartung als Teil der Instandhaltung darauf ausgerichtet ist, den sicheren Zustand zu erhalten, dient eine Prüfung der Feststellung und Bewertung des aktuellen Zustands eines Arbeitsmittels.
Ein Wartungsplan macht die durchgeführte Arbeitsleistung anhand geeigneter Kennzahlen mess- und bewertbar. Je nach Unternehmen können beispielsweise folgende Kennzahlen relevant sein:
Nicht jede Wartung erfolgt in einem festen Zeitabstand. Je nach Betriebsmittel, Wartungsaufgabe und Betriebsbedingungen können unterschiedliche Auslöser für eine Wartung sinnvoll sein. Das Wartungsintervall legt dabei fest, wann eine Wartungsmaßnahme planmäßig durchgeführt werden soll.
In der Praxis kommen insbesondere folgende Intervalle bzw. Auslöser zum Einsatz:
Bei einem kalenderbasierten Intervall wird eine Wartung in einem festgelegten zeitlichen Abstand durchgeführt, beispielsweise täglich, wöchentlich, monatlich, halbjährlich oder jährlich.
Diese Form eignet sich insbesondere für Wartungsaufgaben, bei denen der zeitliche Verlauf einen wesentlichen Einfluss auf den Wartungsbedarf hat.
Eine alternative Terminierungslogik ist das Completion-Based Scheduling Dabei wird der nächste Wartungstermin auf Basis des tatsächlichen Abschlusses der vorherigen Wartung berechnet. Wird eine Wartung beispielsweise verspätet durchgeführt, verschiebt sich der nächste Termin entsprechend.
Bei Maschinen und Anlagen ist häufig nicht die vergangene Zeit, sondern die tatsächliche Nutzungsdauer entscheidend. Das Wartungsintervall wird dann beispielsweise an die Betriebsstunden gekoppelt.
Eine Maschine, die rund um die Uhr läuft, erreicht dieses Intervall entsprechend schneller als eine Maschine, die nur wenige Stunden pro Woche eingesetzt wird.
Auch die tatsächliche Nutzung eines Betriebsmittels kann als Auslöser dienen. Wartungen können beispielsweise nach einer bestimmten Anzahl von Produktionszyklen, Werkstücken, Schaltvorgängen, Betriebszyklen oder gefahrenen Kilometern vorgesehen werden.
Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn der Verschleiß stärker von der Nutzung als vom Kalenderzeitraum abhängt.
Bei einem zustandsorientierten Wartungsintervall richtet sich der Wartungsbedarf nach dem tatsächlichen Zustand eines Betriebsmittels oder einer Komponente. Statt beispielsweise in einem festen Rhythmus alle sechs Monate ein Bauteil zu wechseln, wird der Zustand überwacht. Nähert sich dieser einer definierten Grenze, wird eine Wartungsmaßnahme ausgelöst. Mögliche Zustandsgrößen sind beispielsweise Temperatur, Schwingungen, Druck, Verschleiß oder Ölqualität. Hier gibt es somit kein starres Wartungsintervall im klassischen Sinne. Der Zustand des Betriebsmittels bestimmt den Zeitpunkt der Wartung.
Noch weiter geht das vorausschauende Wartungsintervall (Predictive Maintenance). Hier werden Zustandsdaten und historische Informationen genutzt, um den zukünftigen Wartungsbedarf vorherzusagen. Der Wartungszeitpunkt wird nicht allein aus einem festen Intervall abgeleitet, sondern aus einer Prognose über den zu erwartenden Zustand oder Ausfallzeitpunkt mittels eines Condition Monitoring Systems.
Nicht jedes Betriebsmittel bedarf eines zuvor genannten Wartungsintervalls. Bei dem Run-to-Failure-Ansatz wird eine Komponente bewusst bis zu ihrem Ausfall betrieben. Erst wenn eine Störung auftritt oder die Funktion nicht mehr gegeben ist, wird sie instandgesetzt oder ersetzt.
Run to Failure ist folglich kein Wartungsintervall im eigentlichen Sinne, sondern ein reaktiver Instandhaltungsansatz. Er kann beispielsweise bei wenig kritischen, kostengünstig austauschbaren Komponenten sinnvoll sein.
Welches Wartungsintervall sinnvoll ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Die Ausgangsbasis bilden zunächst die Herstellerangaben. Hinzu kommen die tatsächlichen Betriebsbedingungen: Eine Maschine, die unter hoher Belastung, bei hohen Temperaturen oder in einer besonders staubigen Umgebung betrieben wird, kann einen anderen Wartungsbedarf haben als dasselbe Modell unter weniger anspruchsvollen Bedingungen.
Auch die Kritikalität eines Betriebsmittels spielt eine Rolle. Bei einer Maschine, deren Ausfall einen erheblichen Produktionsstillstand verursachen würde, kann eine engmaschigere Überwachung oder Wartung sinnvoll sein.
Weitere Einflussfaktoren neben den Herstellerangaben, Betriebsbedingungen und Kritikalität sind:
Ein Maschinenwartungsplan beschreibt möglichst konkret, welche Wartungsarbeiten an einer Maschine durchgeführt werden, wann sie fällig sind und wer dafür verantwortlich ist. Um Wartungsarbeiten zuverlässig planen und ausführen zu können, sollte der Wartungsplan neben den Intervallen auch die für die Durchführung relevanten Informationen enthalten.
Welche Angaben im Detail erforderlich sind, hängt von der Maschine, ihrer Nutzung und der jeweiligen Wartungsstrategie ab. Typische Bestandteile sind:
Zunächst muss klar sein, für welches Betriebsmittel der Wartungsplan gilt. Dazu gehören beispielsweise:
Eine eindeutige Zuordnung ist insbesondere bei größeren Maschinenparks wichtig. So lässt sich später nachvollziehen, welche Wartungen an welchen Betriebsmitteln durchgeführt wurden.
Bei komplexeren Arbeiten können zusätzlich Arbeitsanweisungen, Checklisten oder Herstellerangaben hinterlegt werden. Dadurch wird aus einem allgemeinen Wartungshinweis eine nachvollziehbare Arbeitsgrundlage für die ausführende Person.
Auf dass eine Wartung nicht nur geplant, sondern auch tatsächlich durchgeführt werden kann, sollten die Verantwortlichkeiten eindeutig geregelt sein. Dazu können beispielsweise die zuständige Person, das Instandhaltungsteam oder ein externer Dienstleister gehören.
Je nach Wartungsaufgabe können außerdem benötigte Ressourcen hinterlegt werden, etwa:
Das erleichtert die Vorbereitung und hilft dabei, Wartungsarbeiten in die vorhandene Kapazitäts- und Produktionsplanung einzuordnen.
Zu einem vollständigen Wartungsprozess gehört auch die Dokumentation der tatsächlich ausgeführten Arbeiten. Festgehalten werden können beispielsweise:
Diese Informationen bilden gleichzeitig die Wartungshistorie des Betriebsmittels. Sie schafft eine Grundlage, um wiederkehrende Probleme zu erkennen und Wartungspläne später gezielt anzupassen.
Ein Maschinenwartungsplan sollte mindestens die folgenden Fragen beantworten:
Ein guter Wartungsplan verbindet Betriebsmittel, Wartungsaufgabe, Intervall, Verantwortlichkeit und Dokumentation miteinander.
Wartungsplan, Wartungsauftrag und Arbeitsauftrag werden in der Instandhaltung häufig verwendet und teilweise auch unterschiedlich definiert. Der Wartungsplan legt das „Was“ und „Wann“ fest. Der Wartungsauftrag konkretisiert eine einzelne fällige Wartung. Der Arbeitsauftrag ist der übergeordnete Begriff für eine konkrete Arbeitsaufgabe.
Aus dem Wartungsplan entsteht bei Fälligkeit ein konkreter Wartungsauftrag. Er bezieht sich auf eine bestimmte Wartung zu einem bestimmten Zeitpunkt und enthält die Informationen, die für deren Durchführung benötigt werden.
Beispielsweise kann aus dem Wartungsplan für eine Produktionsmaschine folgender Auftrag entstehen: Maschine M-102 – alle 500 Stunden Lager prüfen – fällig am 15. Oktober
Ein Arbeitsauftrag beschreibt allgemein eine konkrete Arbeitsaufgabe, die von einer Person oder einem Team ausgeführt werden soll. Er kann aus einem Wartungsplan entstehen, muss aber nicht. Neben geplanten Wartungen können beispielsweise auch folgende Arbeiten als Arbeitsauftrag erfasst werden:
Damit ist nicht jeder Arbeitsauftrag ein Wartungsauftrag. Ein Wartungsauftrag ist vielmehr eine konkrete Form eines Arbeitsauftrags, die sich auf eine geplante Wartung bezieht.
Bei einer Störung kann der Ablauf dagegen anders aussehen:
Ein solcher Arbeitsauftrag entsteht also nicht aus einem Wartungsplan, sondern aus einem konkreten Bedarf.
Je größer der Maschinenpark und je mehr Wartungsaufgaben zusammenkommen, desto schwieriger wird es, Termine, Verantwortlichkeiten und Wartungsinformationen im Blick zu behalten. Besonders bei einer manuellen Planung müssen Änderungen, Verschiebungen und neue Erkenntnisse laufend nachgepflegt werden.
Excel kann für kleinere Maschinenparks und überschaubare Wartungspläne ein praktikabler Einstieg sein. Mit zunehmender Komplexität zeigen sich jedoch einige Grenzen:
Ein digitaler Wartungsplan kann beispielsweise festlegen, dass an einer bestimmten Maschine wöchentlich eine definierte Wartung durchgeführt werden soll. Das CMMS kann daraus automatisch die entsprechenden Wartungsaufträge erzeugen und den zuständigen Mitarbeitenden zuweisen. Je nach System lassen sich dabei auch Arbeitszeiten, benötigte Ersatzteile, Checklisten oder Arbeitsanweisungen berücksichtigen.
Das reduziert den manuellen Aufwand bei der Terminplanung und hilft dabei, fällige Wartungsarbeiten im Blick zu behalten. Gleichzeitig können Verantwortliche und verfügbare Kapazitäten bei der weiteren Planung berücksichtigt werden.
Die Planung endet nicht mit dem Erstellen eines Wartungsauftrags. Ebenso wichtig ist die Rückmeldung nach der Durchführung.
So entsteht eine durchgängige Verbindung zwischen Wartungsplan, Wartungsauftrag, Durchführung und Wartungshistorie.
Der entscheidende Vorteil eines CMMS liegt nicht allein in der digitalen Ablage eines Wartungsplans. Vielmehr verbindet es die Planung mit den nachfolgenden Prozessen der Instandhaltung:
Aus einem hinterlegten Wartungsintervall entsteht eine konkrete Aufgabe. Diese wird durchgeführt, dokumentiert und fließt anschließend in die Wartungshistorie der Maschine ein. Die dabei gewonnenen Informationen können wiederum genutzt werden, um Wartungsaufgaben und Intervalle künftig zu überprüfen und anzupassen.
Damit unterstützt ein CMMS einen geschlossenen Prozess von der Planung über die Durchführung bis zur Dokumentation und Optimierung.
Ein Wartungsplan sollte nicht dauerhaft unverändert bleiben. Die Dokumentation durchgeführter Wartungen, aufgetretener Störungen und festgestellter Zustände liefert wertvolle Informationen darüber, ob die bisherigen Wartungsaufgaben und Intervalle tatsächlich zum Betriebsmittel passen.
Ein CMMS kann diese Informationen zentral mit allen Assets und deren Wartungshistorie verknüpfen. Dadurch entsteht eine Datengrundlage, auf der Wartungspläne gezielt weiterentwickelt werden können.
Ein einmal festgelegtes Wartungsintervall muss nicht dauerhaft unverändert bleiben. Die Erfahrungen aus durchgeführten Wartungen und aufgetretenen Störungen können zeigen, dass ein Intervall angepasst werden sollte.
Wenn beispielsweise ein Bauteil bei regelmäßig durchgeführten Wartungen über längere Zeit kaum Verschleiß zeigt, kann geprüft werden, ob das bisherige Intervall noch angemessen ist. Treten dagegen wiederholt Ausfälle zwischen zwei Wartungen auf, kann eine Anpassung des Intervalls oder ein Wechsel zu einer zustandsorientierten Überwachung sinnvoll sein.
Die Wartungshistorie zeigt, was an einem Betriebsmittel tatsächlich passiert ist. Wiederkehrende Schäden, häufig ausgetauschte Komponenten oder regelmäßig festgestellter Verschleiß können Hinweise darauf geben, dass eine Wartungsaufgabe angepasst werden sollte.
Umgekehrt können dauerhaft unauffällige Wartungen Anlass sein, den bisherigen Wartungsaufwand zu hinterfragen. Dabei geht es nicht darum, Wartungen pauschal zu reduzieren, sondern darum, die Wartungsstrategie an die tatsächlichen Erfahrungen anzupassen.
Liegen zusätzlich Zustandsdaten aus einem Condition Monitoring System vor, können diese ebenfalls für die Weiterentwicklung von Wartungsplänen genutzt werden. Zeigen Messwerte beispielsweise, dass sich der Zustand einer Komponente abhängig von der tatsächlichen Nutzung verändert, kann ein rein zeitbasiertes Intervall gegebenenfalls durch eine zustandsorientierte Wartung ergänzt oder ersetzt werden. So können Wartungspläne schrittweise von starren Intervallen zu einer stärker bedarfsorientierten Instandhaltung weiterentwickelt werden.
Nicht nur die Intervalle selbst können optimiert werden. Auch die Inhalte der Wartungsaufgaben sollten regelmäßig überprüft werden:
Hierdurch wird der Wartungsplan Schritt für Schritt an die tatsächlichen Anforderungen des Betriebsmittels angepasst.
Wartungsarbeiten systematisch zu planen, rechtzeitig durchzuführen und nachvollziehbar zu dokumentieren sind die primären Aufgaben des Wartungsplans. Er legt fest, was an einer Maschine, einer Anlage oder einem anderen Betriebsmittel gewartet werden soll, wann die Wartung fällig ist und welche Ressourcen und Verantwortlichkeiten dafür erforderlich sind.
Wartungsintervalle und -aufgaben sollten sich an der Nutzung, den Betriebsbedingungen, der Kritikalität und den tatsächlichen Erfahrungen orientieren. Entscheidend ist deshalb, den Wartungsplan nicht als einmal erstellte Tabelle zu betrachten, sondern als lebendiges Instrument der Instandhaltung. Werden Wartungsergebnisse, Störungen und Zustandsdaten konsequent ausgewertet, lässt sich die Wartungsplanung kontinuierlich weiterentwickeln.
Ein digitaler Wartungsplan bzw. ein CMMS kann diesen Prozess von der Planung und Terminierung über die Durchführung und Dokumentation bis zur späteren Anpassung der Wartungsstrategie verbessern.